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BMW 750Ld xDrive - Test

BMW 750Ld xDrive - Freude am fahren... auf dem Rücksitz

2014-03-28 - Markus Baumann     Tags: Test, BMW 750Ld xDrive, BMW, BMW 7er Serie

Wenn einer der weltbesten Motoren- und Fahrwerkbauer beginnt die S-Klasse und den A8 ins Visier zu nehmen, kann das Ergebnis nur atemberaubend sein. Und es ist tatsächlich so - zumindest aus drei Gründen.

Nicht seit gestern wetteifert die BMW 7er Serie mit der S-Klasse von Mercedes und dem Audi A8. Viele denken beim Namen BMW nicht gleich an eine luxuriöse, elegante und komfortable Limousine, sondern eher an Heckantrieb, Sport und Rennstrecken. Gründe dafür können natürlich sein, dass BMW DTM Meister ist, dass sie den fabelhaften M3 und M5 herstellen, dass atemberaubende und perfekte Motorräder das BMW Logo tragen oder dass die BMW´s die besten Motoren haben. Eher der zweite Gedanke führt uns erst zu Luxus, Glanz und Gloria und auch zu Diplomaten und Geschäftsleuten.

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Zuerst vielleicht doch noch ein paar Worte zur Geschichte dieser erstaunlichen Limousine. Die 7er Serie ist das erste Mal 1977 auf den Markt gekommen und war damals nicht die einzige Limousine der Oberklasse. 1977 musste sie noch Rivalen wie Audi 200 5T, Opel Senator, Mercedes S-Klasse und Volvo 264 GLE Stand halten. Damals und auch viele Jahre und Generationen später war die 7er Serie von BMW immer ein wenig schärfer, direkter und fahrfreudiger als die Konkurrenz.
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Den heutigen 7er würde niemand mehr als sportlich bezeichnen, obwohl die Fahreigenschaften auf sehr hohem Niveau geblieben sind. Es hat sich jedoch die Konkurrenz verändert und die Vergleichspunkte haben sich drastisch verschoben. Der Opel Senator und der Volvo 264 GLE genießen schon die ruhigen Tage im "Heim des goldenen Herbstes" und Audi und Mercedes haben kräftig aufgeholt.
Die heutige Konkurrenz in der luxuriösen Sportlichkeit ist bissig, knallhart und setzt in diesem Bereich komplett neue Maßstäbe. Es ist kein Opel mehr und auch kein Volvo, die sich aus der Oberklasse schon lange zurückgezogen haben. Heute sind es Porsche Panamera und Maserati Quattroporte, die die Messlatte hoch setzen. Mercedes zieht mit der S-Klasse AMG nach und genau so macht es Audi mit dem S8. Und was macht BMW? BMW arbeitet an neuen SUV´s, denn in der bisherigen Produktpalette ist noch genug Platz dafür. Noch haben wir keinen X0,7 oder X5,3. Ansonsten sind schon fast alle ganzen Zahlen von 1 bis 7 belegt.
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Der Slogan "Freude am Fahren" trifft auf BMW sicherlich immer noch zu... doch mehr und mehr ist es das Fahren auf dem Rücksitz. Der Heckantrieb muss weichen und wird mit dem Allradantrieb oder dem geplanten Vorderradantrieb ersetzt. Der legendäre Reihensechszylinder wurde in zwei geteilt und je zur Hälfte in jeden i8 gesteckt.
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Der Giftzahn der Bayern, den einst jeder BMW serienmäßig ab Werk bekommen hat, ist gezogen worden und scheint nun in Richtung Tofu, Sandalen und Gluten freiem Kuchen zu gehen. Wo sind die Fleischfresser geblieben? Wo ist das blutrünstige Monster, das aus den Auspuffrohren gebrüllt hat als das Gaspedal ins Bodenblech gedrückt wurde? Der heutige 7er ist der Hulk Hogan von gestern, der jetzt den Kindern "Gute Nacht Geschichten" mit Moral vorliest.
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Wenn man sich also die Geschichte und den Hintergrund dieser Marke anschaut, kommen einem mehr Fragen als Antworten in den Kopf. Wo platziert sich jetzt der 7er BMW? Soll es die sportlichste Limousine mit Chauffeur werden? Wohl nicht, denn da hat der Rolls Royce Ghost mehr zu bieten. Vielleicht aber die am meisten luxuriöse Limousine mit dynamischen Ansätzen? Oder soll es vielleicht ein nicht wirklich sportlicher aber doch kräftiger Wagen werden wie der X5 und der 6er? Und zu guter Letzt... warum hat BMW nie eine riesige Limo als M Version, wie die Konkurrenten, geschaffen?
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Bei dem letzten Gespräch mit Dr. Friedrich Nitschke, dem amtierenden Chef der BMW M GmbH, haben wir zumindest die Antwort auf eine unserer Fragen bekommen können. Der Rivale für die Konkurrenz aus Stuttgart und Ingolstadt soll der BMW M6 Gran Coupé sein. Sollte das nicht ausreichen soll als der M7 der V12 760i mit 544 PS und der 750d in der Diesel-Variante auftreten.
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Interessant ist, dass BMW den 750d als "Mitbewerber" in dieser Runde sieht, obwohl es nur ein 3 Liter Diesel ist. Es ist sicherlich ein gewaltiger Diesel, der bei der 5er Serie, dem X5 und dem X6 allein schon dafür sorgt, dass der Buchstabe M diesen Autos verliehen wird. Der Grund dafür kann natürlich sein, dass dieses grandiose Triebwerk das Auto mit der Aerodynamik eines Kaninchenstalls, in nur 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt.
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Die Ziffer "3" ist im Fall 750d sehr interessant. Nicht nur der Hubraum wird durch diese Ziffer bestimmt. Auch bestimmt die "3" die Anzahl der Turbolader, die diesen Motor antreiben. Biturbo ist passé. Triturbo heißt der neue Weg. Und mit genau diesem Weg demonstriert BMW ihre Überlegenheit gegenüber den Konkurrenten, oder vielleicht eher "Mitbewerbern". Bemerkenswert ist, dass das 750d Triebwerk den Hubraum des 350 CDI von Mercedes mit den Eigenschaften des 4,2TDi von Audi verbindet. Das schaffen nur die Besten!
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Wenn man diese Maschine vom Konstruktionsaspekt her betrachtet, so wird man feststellen können, dass das genau die selbe Sechszylinder Maschine ist wie im 258 PS starkem 730d und im 313 PS starkem 740d. Der Mehrpreis, den der Kunde zum 750d zahlen muss ist eigentlich nur für einen zusätzlichen Turbolader. De facto könnte man das damit vergleichen, dass Luftballons im BH aufgepumpt werden, weil es billiger als Silikonimplantate ist.
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Technisch ist der 750d Motor ein Meiserstück. Drei Turbolader treiben den Motor an und werden je nach Bedarf und Drehzahl dazu geschaltet. Die Turbinen sind so zusammengestellt worden, dass es kein Turboloch gibt und dass die Kraft ohne irgendwelche "Sprünge" gleichmäßig aufgebaut wird.
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Zunächst ein Mal klingt es wie "viele Teile, die kaputt gehen können". Doch nichts dergleichen. Die besten Ingenieure in München bei BMW haben diesen Motor entwickelt und es ist heute sicherlich der beste, stärkste und am meisten dynamische Diesel der Welt. Ab 2000 U/min liefert die Maschine schon 740 Nm und verliert bei höheren Umdrehungen nicht an Drehlust, denn ab 2700 U/min wird der dritte Turbolader dazu geschaltet. Die Maximalleistung wird bei 4500 U/min erreicht. Das ist aber noch nicht das Ende, denn der 3 Liter Diesel mag hohe Drehzahlen, sogar bis 5300 U/min. Das hohe Drehmoment verlangt schon einen Allradantrieb, um die gelieferte Kraft auch möglichst schnell auf die Straße bringen zu können.

Der Klang mag vielleicht nicht mit BMW Benzinmotoren zu vergleichen sein, doch die beiden Endrohre liefern einen bezaubernden Klang, bei dem die Gänsehaut anfängt zu zittern.

Die erreichten Werte sprechen sicherlich für den BMW 750d. Auf dem Papier ist dieses Modell im Sprint von 0 auf 100 km/h nur 0,3 Sekunden langsamer als der 750i xDrive mit dem 450 PS V8 Motor. Das alles bei einem Durchschnittsverbrauch, der ca. 9 L / 100km unter dem Verbrauch des 750i in der Stadt, und ca. 3,5 L auf 100 km unter dem Verbrauch des 750i ausserorts liegt. Um so verblüffender erscheint der 750d, wenn man betrachtet, dass in unserem Test die Reichweite bei 920 km lag und somit über 1/3 länger war als die des 750i.

Der BMW 750d ist gleichzeitig ein ruhig und gelassen arbeitender GT. Der Innenraum ist fabelhaft gedämpft und die Atmosphäre im Inneren des Fahrzeugs ist einfach besänftigend. Der stille Held, der bedeutend zu dieser Atmosphäre beiträgt ist das 8-Stufen-Getriebe, welches auch im Rolls Royce Ghost eingesetzt wird. Das Getriebe ist wie der Garcon in einem Luxushotel - man merkt ihn nicht, hat aber immer genau das was man braucht.

Dieser Wagen ist genau das, was ein Geschäftsmann nach einem langen und stressigen Tag im Büro braucht. Die Lenkung, die Bremsen und das Fahrwerk sind so abgestimmt, dass sie kaum ruckartige Bewegungen zulassen. Egal ob Sie auf dem Rücksitz sitzen oder ihren Chauffeur mit einem türkischen Taxifahrer nach Hause geschickt haben und selbst das Steuer in die Hand nehmen... dieses Auto trägt sie wie ein weinroter schwerer Samthandschuh zurück nach Hause - weich und gemütlich.

Alle Bewegungen in diesem Wagen sind gemächlich und elegant. Selbst auf verschneiter Straße macht der xDrive Antrieb alles, um keine Anzeichen des Traktionsverlustes ans Tageslicht zu bringen. Alle Reaktionen des Fahrzeugs scheinen anfangs verspätet aufzutreten, doch der Wagen ist trotzdem agil und direkt, all das, damit die elegante Fahrweise beibehalten wird.

Im Innenraum kann nichts bemängelt werden. Die Bayern haben schon vor Langem bewiesen, dass sie auf kompromisslosen Standard der Innenausstattung Wert legen und in diesem Bereich fast uneingeschränkte Möglichkeiten haben. Das massive Cockpit (wie immer ein wenig fahrergerichtet) zusammen mit einer üppig gestalteten Mittelkonsole wird durch delikate und beflügelnde Bögen verziert. Die Verarbeitung des Innenraums ist exzellent und beeindruck im kleinsten Detail, genau wie die endlos verstellbaren Sitze. Dem Fahrer stehen alle möglichen technischen pielereien zur Verfügung: Nachsichtgerät, Kameras und unendliche Sensoren, die über alles ögliche den Fahrer informieren.

Die Passagiere hinten haben in der normalen Version schon recht viel Platz. Die Lang Version ist eigentlich nur 13 cm länger, doch im Inneren fühlen sie sich an wie unendliche Weiten. Die Fondpassagiere haben ein Multimediasystem zur Verfügung, die einfach und intuitiv über ein separates iDrive System bedient werden können. Es kan einfach nichts im Inneren bemängelt werden, weil einfach alles passt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass der BMW hier konkurrenzlos ist. Fanatisch genial im Innenraum abgestimmt ist z.B. der Lexus LS oder der Jaguar XJ, aber auch die S-Klasse und der A8 lassen nicht wirklich viele Wünsche offen.

Die Karosserie hat seit dem kontroversen Projekt des Chris Bangle endlich eine sanfte, angenehme und zugleich respekteinflößende Linie bekommen. Die riesigen Nieren im Kühlergrill lassen den Fahrer im Fahrzeug vor uns aus Ehrfurcht zusammenzucken. Aus dem Gewirr der Linien des E65 sind zum Glück nur die geblieben, die das Auto schlanker erscheinen lassen. Außerdem ist der Fahrgastraum nach hinten verschoben und macht Platz für eine enorme Motorhaube was zusammen mit den großen Rädern diese Luxuslimousine als viertürigen GT erscheinen lässt. Im Großen und Ganzen sieht der BMW sportlicher aus als die S-Klasse oder der A8.


Bei dieser ganzen Perfektion sowohl beim BMW wie auch bei der Konkurrenz bleibt es ganz einfach eine Frage des Geschmacks und der Loyalität zur Marke. Fazit ist definitiv, dass der BMW ein Meisterstück ist, vor allem unter der Haube und es lässt sich ganz klar erkennen, dass die Bayern weder Innen noch Außen experimentiere, wie es einst der Fall war. BMW hat mit diesem Modell bewiesen, dass sie ganz klar wissen wohin die Reise gehen soll und auch was guter Geschmack ist. Und obwohl es ihm am Biss der vergangenen Jahre fehlt, ist und bleibe der 7er ein fantastisches Auto.


BMW 750Ld xDrive


Motor: 2993 ccm
Leistung: 381 PS bei 4000-4400 U/min
Drehmoment: 740 Nm bei 2000 U/min
Getriebe: 8 Stufen Automatik
Motor: Reihensechszylinder
Außenmaß (L/B/H): 5219/1902/1481 mm
Achsstand: 3210 mm
Eigengewicht: 2095 kg
CO2 Ausstoß durchschn.: 169 g/km
0 - 100 km/h: 4,9 s.
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Durchschnittsverbrauch:
Stadt: 7,3L / 100 km (11,8L in unserem Test)
Außerorts:  5,9L / 100 km (7,9 L in unserem Test)
Gemischt: 6,4 L / 100 km (10,5 L in unserem Test)


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